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Mit Gruppen arbeiten: Das kleine 1×1 der Moderation

Als Moderatorin oder Moderator begleiten Sie die Gruppe von Anfang bis Ende, sorgen für eine möglichst gute Atmosphäre, behalten die Zielsetzung und alle Teilnehmenden im Blick. Das sind hohe Anforderungen. Hier erhalten Sie Tipps, die Ihnen diese Aufgabe erleichtern. Fallbeispiele geben Anhaltspunkte für einen möglichen Umgang mit typischen Situationen.

  • Bereiten Sie sich gut vor. Wählen Sie den Baustein (oder mehrere) aus, den Sie mit der Gruppe erarbeiten wollen, schauen Sie sich diesen im Detail an und probieren Sie die Dinge aus, die Sie anschließend mit der Gruppe durchführen wollen. Sorgen Sie dafür, dass alle benötigten Materialien vorhanden sind und (technisch) funktionieren.
  • Bereiten Sie den Raum vor: Äußere Ordnung verhilft oft auch zu mehr innerer Ordnung und einer positiveren Grundstimmung bei den Teilnehmenden. Achten Sie darauf, dass ausreichend Stühle da sind, stellen Sie diese je nach Setting in einen Kreis oder an Tische. Wenn Sie möchten, ergänzen Sie etwas Schönes wie Snacks, Getränke oder Blumen.
  • Geben Sie Orientierung! Es braucht immer eine Begrüßung, eine Vorstellung und einen Überblick über das, was kommt (inhaltlich und zeitlich). So wissen die Teilnehmenden, was sie erwartet und Sie können, wenn die Gruppe oder einzelne Teilnehmende inhaltlich abschweifen, leichter auf das bereits genannte Thema zurückkommen.
  • Achten Sie darauf, dass der Zeitrahmen des Treffens eingehalten wird, dies schafft Verbindlichkeit.
  • Reagieren Sie dennoch flexibel auf spontan auftretende Fragen, Probleme oder Störungen, ohne dabei das Ziel des Projektes und die Zeit aus dem Auge zu verlieren: Gehen Sie auf die Erwartungen und Wünsche der Teilnehmenden ein. Verorten Sie diese in Ihrem Zeitplan, sodass alle wissen, wann auf das Thema eingegangen werden wird. Dabei ist es völlig in Ordnung – und bei umfangreicheren Themen oft sogar notwendig – den Wunsch erst für ein Folgetreffen einzuplanen.
  • Achten Sie darauf, dass niemand übergangen wird, seien Sie wertschätzend und achten Sie auch darauf, dass die Teilnehmenden untereinander wertschätzend sind. Dies ist gerade bei sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen relevant – denn alle Teilnehmenden sollen ohne Angst oder Scham ihre Fragen stellen können.
    Stellen Sie sicher, dass alle die gestellten Aufgaben verstanden haben.
  • Bei der Arbeit mit einer Gruppe gilt immer: „Die Gruppe ist mein Spiegel, ich bin der Spiegel der Gruppe“. Das bedeutet: je strukturierter, motivierter, offener, freundlicher etc. Sie der Gruppe gegenübertreten, umso strukturierter, motivierter, offener, freundlicher etc. wird sich die Gruppe insgesamt und auch Ihnen gegenüber verhalten. Achten Sie daher auf Stimme, Gestik, Mimik (unabhängig von Ihrer privaten aktuellen Stimmung).

 

Hilfestellung zum Umgang mit Störungen oder Unerwartetem

Fallbeispiel 1

Sie bieten die Begleitung für eine feste Gruppe an, jeweils von 15:00 bis 16:00 Uhr, und haben für diese Zeit ein entsprechendes Programm geplant. Die Teilnehmenden trudeln nach und nach zwischen 14:55 und 15:15 Uhr ein, es herrscht ein großes Durcheinander, da alle zunächst über private Alltagsthemen sprechen. Gegen 15:20 Uhr beginnen Sie mit dem geplanten Inhalt. Um 16:00 Uhr wollen die ersten Teilnehmenden gehen, dabei sind Sie – durch die Verzögerung zu Beginn – noch längst nicht fertig.

Das könnten Sie tun:
Der private Austausch und der Kontakt mit anderen ist für viele Teilnehmende ein großer Motivationsfaktor. Dennoch ist es auch wichtig, dass das angekündigte Thema seinen Raum erhält, da sonst Sie und die Teilnehmenden, die vorwiegend aus inhaltlichen Gründen teilnehmen, frustriert sind. Sorgen Sie daher für Zeiträume, in denen Austausch möglich ist: Bieten Sie beispielsweise für das Folgetreffen an, dass der Raum ab 14:30 oder 14:45 Uhr geöffnet ist, sodass die Teilnehmenden dann in Ruhe ankommen und sich austauschen können oder regen Sie an, dass die Teilnehmenden (ohne Sie) im Anschluss länger bleiben können oder sie jeweils nach dem Kurs in ein nahegelegenes Café gehen können. Sorgen Sie für Klarheit und Verbindlichkeit, indem Sie darauf hinweisen (und dies dann auch entsprechend umsetzen), wann der Kursinhalt (im Beispiel oben um 15:00 Uhr) beginnt. Alternativ können Sie auch die Kurszeit verlängern, ohne weitere Inhalte zu planen. Auch dann ist es aber wichtig, klare Zeitfenster für private Gespräche und die Inhalte zu definieren.

 

Fallbeispiel 2

Sie haben für die heutige Begleitung ein bestimmtes Thema geplant und vorbereitet. Nun hat eine teilnehmende Person das dringende Bedürfnis, einen Aspekt bis ins letzte Detail zu verstehen und fragt immer weiter nach. Andere in der Gruppe schalten schon ab, da es für sie zu sehr in die Tiefe geht.

Das könnten Sie tun:
Es ist gut und richtig, auf Rückfragen einzugehen. Gleichzeitig ist es Ihre Aufgabe, die gesamte Gruppe und die geplanten Inhalte im vorhandenen Zeitrahmen im Blick zu behalten. In einem solchen Fall könnte diese Formulierung helfen: „Ich finde es toll, dass Sie es ganz genau wissen wollen – und wenn auch andere in der Gruppe Lust darauf haben, können wir uns diesen Aspekt gern nochmal für ein eigenes Treffen herausgreifen – heute und jetzt möchte ich aber einen Schritt zurücktreten, damit wir unser Thema als Ganzes wieder besser sehen können und heute für alle klar wird, wie XY funktioniert / was es mit XY auf sich hat / … (entsprechend des Themas der Einheit anzupassen).“ Wichtig ist dann am Ende der Einheit, nochmal auf das Detail-Thema zurückzukommen und die Gruppe zu fragen bzw. abstimmen zu lassen, ob dieses bei einem der nächsten Treffen in den Fokus gerückt werden soll.

 

Fallbeispiel 3

Sie haben für die heutige Begleitung ein bestimmtes Thema geplant und vorbereitet. Anhand der Rückfragen der Teilnehmenden merken Sie, dass Grundlagen, die das von Ihnen geplante Thema voraussetzt, fehlen.

Das könnten Sie tun:
Es bringt nichts, wenn Sie an den Teilnehmenden vorbei agieren und Ihren Plan „aus Prinzip“ umsetzen. Gehen Sie offen damit um: „Geplant hatte ich für heute XY, aber ich merke gerade, dass wir damit einen Schritt zu weit sind. Denn um XY machen zu können, muss Ihnen zunächst klar sein, wie XZ funktioniert. Sind Sie einverstanden, wenn wir uns heute also damit beschäftigen und XY dann auf das nächste Treffen vertagen?“

 

Fallbeispiel 4
Sie haben für die heutige Begleitung ein bestimmtes Thema geplant und vorbereitet. In der Einheit merken Sie, dass die Teilnehmenden sich gerade lieber mit einem ganz anderen Thema beschäftigen möchten.

Das könnten Sie tun:
Überlegen Sie für sich, ob Sie bereit sind, kurzfristig das Thema zu wechseln und ob Sie das Wissen dazu ohne weitere Vorbereitung abrufen können. Wenn ja, vergewissern Sie sich, dass möglichst alle Teilnehmenden tatsächlich das alternative Thema bevorzugen. 
Wenn Sie oder einzelne Teilnehmende hingegen lieber am ursprünglich geplanten Thema festhalten möchten, ist das völlig in Ordnung! Hilfreich kann dann eine Formulierungen wie diese sein: „Vielen Dank für Ihren Impuls, dass wir uns auch mit Thema XY beschäftigen sollten. Ich merke, da haben Sie viele Ideen / Fragen. Heute möchte ich mit unserem aktuellen Thema fortfahren, aber Ihr Wunsch nach Thema XY geht uns nicht verloren. Gern plane ich das für unser Treffen am … ein.“

 

Fallbeispiel 5
Eigentlich sollen sich die Teilnehmenden gerade zu einem bestimmten Thema austauschen oder eine bestimmte Übung absolvieren. Stattdessen beginnen sie, ausgiebig über Themen zu sprechen, die nichts mit der Smartphone-/Tablet-Begleitung zu tun haben.

Das könnten Sie tun:
Wie in Fallbeispiel 1 schon dargelegt, ist der persönliche Austausch wichtig – doch ebenso wichtig ist Ihre Klarheit, wann dieser Austausch einen Raum hat. Versuchen Sie mit einer Formulierung wie dieser, die Teilnehmenden „zurückzuholen“: „Liebe …, mir ist klar, dass unsere Treffen eine tolle Gelegenheit sind, sich auszutauschen – und so ist das auch gedacht – aber nutzen Sie dazu bitte die Zeiten vor oder nach dem Kurs. Ich möchte Sie bitten, jetzt beim Thema / der Aufgabe XY zu bleiben, einfach damit wir dann alle gemeinsam an der Stelle weitermachen können.“

 

Fallbeispiel 6
Einzelne Teilnehmende haben große Ängste und Befürchtungen, beispielsweise, etwas an ihrem Gerät kaputt zu machen oder dass „das Internet sowieso böse und gefährlich“ ist.

Das könnten Sie tun:
Nehmen Sie die Ängste und Sorgen ernst – auch wenn Sie diese inhaltlich für haltlos erachten. Hören Sie zunächst zu, wovor die Teilnehmenden Angst haben, regen Sie dazu an, diese Ängste möglichst konkret zu benennen. Tun Sie diese nicht pauschal ab im Sinne eines „Das ist ja Quatsch, was Sie sagen“, sondern fragen Sie beispielsweise nach „Ist Ihnen das denn tatsächlich schon mal passiert? / Woher haben Sie diese Information, glauben Sie, dass dies eine vertrauenswürdige Quelle ist?“. Legen Sie Ihre Sicht der Dinge dar, sowohl aus Ihren Erfahrungen heraus gesprochen, als auch basierend auf sachlichen Informationen. Im Falle der Angst vor dem „bösen Internet“ können Sie z.B. erwidern: „In meinem Leben ist das Internet eine große Bereicherung. Ich nutze es zum Beispiel, um mit meiner Familie in Kontakt zu sein oder schaue auch gern die Nachrichten zu einer Zeit, die mir besser passt als die Sendezeit im Fernsehen. Und ich möchte den Einkauf über das Internet nicht mehr missen! Natürlich lauern im Internet auch Gefahren, aber die fallen mich ja nicht einfach an. Ich entscheide selbst, was ich antippe, wem ich antworte oder was ich glaube. Das Internet ist für sich genommen ja nicht böse, wird nur manchmal und von manchen Menschen schlecht genutzt. Doch mit meinem eigenen Verhalten kann ich mich sehr gut schützen und so die positiven Aspekte nutzen. Ich lade Sie ein, diese positiven Aspekte Schritt für Schritt kennenzulernen. Und ich unterstütze Sie, damit auch Sie für die Gefahren gut gewappnet sind.“

 

Fallbeispiel 7
Einzelne Teilnehmende kennen sich schon sehr gut mit dem Thema aus und stellen Ihnen Fragen, die Sie nicht beantworten können.

Das könnten Sie tun:
Nutzen Sie das Potential, das Sie mit so kundigen Teilnehmenden haben: Laden Sie ihn oder sie ein, einzelne Aspekte für die Gruppe zu erklären und binden Sie das Wissen aktiv ein. Wenn Sie Fragen nicht beantworten können, ist dies nur menschlich. Antworten Sie beispielsweise: „Das ist eine gute Frage, und die habe ich mir noch nie gestellt. Ich weiß es nicht. Aber wir können das gerne gemeinsam herausfinden.“

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